Leistung des Pankreaszentrums im Überblick
In der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wurden in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Heute stehen zahlreiche spezialisierte diagnostische und therapeutische Verfahren zur Verfügung, die eine individuell auf die Erkrankung abgestimmte Behandlung ermöglichen.
Eine zentrale Rolle spielt die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen. In unserem regelmäßig stattfindendem Tumorboard werden Patientinnen und Patienten mit einer Tumorerkrankung der Bauchspeicheldrüse gemeinsam besprochen. Auf Grundlage der aktuellen medizinischen Leitlinien, der individuellen Erkrankungssituation und der persönlichen Wünsche der Patientinnen und Patienten wird eine gemeinsame Behandlungsempfehlung festgelegt.
Die Medizinische Klinik II unter der Leitung von Prof. Dr. Zimmermann ist auf Gastroenterologie und gastroenterologische Onkologie spezialisiert. Die spezialisierte Diagnostik wird im Diagnostikzentrum für Leber-, Pankreas- und Galleerkrankungen durchgeführt. Mit der Endosonographie kann beispielsweise die Bauchspeicheldrüse hochauflösend untersucht und bei Bedarf gezielt Gewebe entnommen werden. Darüber hinaus stehen interventionelle endoskopische Verfahren zur Verfügung. Bei einer tumorbedingten Verengung oder einem Verschluss der Gallenwege kann im Rahmen einer ERCP durch die Einlage eines Stents der Galleabfluss wieder hergestellt werden. Diagnostik und interventionelle Behandlung erfolgen in enger Abstimmung mit der Chirurgie.
Das Radiologische Institut unter der Leitung von Frau Dr. Jochum und Fr. Dr. Kilian übernimmt ebenfalls die bildgebende Diagnostik und Stadieneinteilung. Moderne Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) ermöglichen die genaue Beurteilung des Tumors, seine Beziehung zu angrenzenden Gefäßen und möglichen Metastasen. Die Bildgebung ist damit eine wesentliche Grundlage für die Beurteilung der operativen Behandelbarkeit und die weitere Therapieplanung. Bei entsprechender Indikation stehen zudem interventionell-radiologische Verfahren zur Verfügung.
Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie führt unter der Leitung von Privatdozent Dr. Markus Hirschburger komplexe Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse entsprechend den aktuellen Leitlinien durch. Mit über 200 komplexen Eingriffen am Pankreas in den letzten 14 Jahren verfügt das Zentrum über umfassende Erfahrung in der anspruchsvollen operativen Therapie. Die Operationen werden unter der Verantwortung der beiden benannten Operateure, dem Chefarzt PD Dr. Markus Hirschburger und dem leitenden Oberarzt Dr. Rolf Schneider FEBS durchgeführt. Zum operativen Spektrum gehören Eingriffe am Kopf, Körper und Schwanz der Bauchspeicheldrüse. Welches Operationsverfahren im Einzelfall geeignet ist, richtet sich nach Art, Lage und Ausdehnung der Erkrankung.
Die Klinik für Anästhesiologie unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Ziebart übernimmt die Narkoseführung während der Operation sowie bei Bedarf die postoperative intensivmedizinische Betreuung. Durch moderne Narkose- und Schmerztherapieverfahren können postoperative Beschwerden wirksam behandelt und eine frühzeitige Mobilisation und Erholung nach dem Eingriff unterstützt werden.
Die histologische Diagnose und feingewebliche Beurteilung von Gewebeproben und Operationspräparaten erfolgen durch Mitarbeitende des Instituts für Pathologie am Klinikum Worms unter der Leitung von Herrn Privatdozent Dr. Wiechen. Die pathologische Untersuchung ermöglicht die genaue Einordnung der Erkrankung. Nach einer Operation werden unter anderem die Tumorausdehnung, die Resektionsränder und die entnommenen Lymphknoten beurteilt. Diese Befunde bilden eine wichtige Grundlage für die Stadieneinteilung und die Planung der weiteren Behandlung.
Die Hämato-/Onkologische Praxis mit Herrn Dr. Burkhard, Frau Dr. Reimann, Dr. Lorentz und Privatdozent Dr. Göschel ist auf die ambulante medikamentöse Tumorbehandlung spezialisiert. Die Chemotherapie stellt einen wesentlichen Bestandteil des Pankreaskarzinoms dar. Abhängig von dem Erkrankungsstadium und der individuellen Situation kann sie nach einer Operation oder bei einer lokal fortgeschrittenen beziehungsweisen metastasierten Erkrankung eingesetzt werden Die Entscheidung über die geeignete Therapie und deren zeitliche Abfolge erfolgt interdisziplinär und entsprechend der aktuellen Leitlinien.
Die Palliativmedizin unter der Leitung von Frau Dr. Pioro ergänzt die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Die palliativmedizinische Betreuung kann frühzeitig und begleitend zu einer tumorspezifischen Therapie einbezogen werden. Im Mittelpunkt stehen die Linderung belastender Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Schwäche sowie der Erhalt einer bestmöglichen Lebensqualität. Neben der medizinischen Behandlung werden auch psychosoziale und persönliche Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen berücksichtigt. Die Betreuung erfolgt in enger Abstimmung mit den behandelnden Fachabteilungen und wird individuell an die jeweilige Erkrankungs- und Lebenssituation angepasst.
Alle beteiligten Fachabteilungen und Kooperationspartner arbeiten eng zusammen, um eine kontinuierliche Betreuung von der Diagnosestellung über die Behandlung bis zur Nachsorge zu gewährleisten. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuelle Erkrankungssituation, die persönlichen Bedürfnisse und die bestmögliche leitliniengerechte Behandlung unserer Patientinnen und Patienten.
Studien:
PANCALYZE-Studie
Um in Zukunft jedem Patienten eine individuelle Therapie anbieten zu können, beteiligen wir uns auch auf dem Gebiet „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ an großen Studien. Die Uniklinik Köln führt eine solche große klinische Studie durch - die sogenannte „PANCALYZE-Studie“ - an der sich deutschlandweit Kliniken beteiligen. Die Kollegen der Uniklinik Köln sammeln Gewebeproben von Patienten, denen im Rahmen der Therapie ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde. Durch Untersuchung dieser Proben sollen wichtige neue Erkenntnisse gewonnen werden, um später den weiteren Krankheitsverlauf von Patienten individuell vorhersagen zu können. Ziel ist es, in Zukunft eine personalisierte Therapie zu entwickeln, die für jeden Patienten maßgeschneidert wird.
MALGAT – Studie
"Studie zur Prävalenz der Mangelernährung bei gastroenterologischen Tumoren und die Auswirkungen einer ernährungstherapeutischen Therapie (MALGAT)"
Thematik: Auf Grundlage und als Weiterführung der vorherigen multizentrischen Studie „Studie zur Prävalenz der Mangelernährung in der zentralisierten Versorgung von Darmkrebspatienten“ soll mit Hilfe dieser Studie die Prävalenz der Mangelernährung bei weiteren Tumorentitäten untersucht werden. Patient:innen mit unterschiedlichen Grunderkrankungen weisen bei der Krankenhausaufnahme sowie während des Aufenthaltes eine Mangelernährung auf. Insbesondere bei Erkrankten oder operierten Personen kann eine Mangelernährung nachweislich viele Auswirkungen, wie einer höheren Komplikationsrate sowie Wundheilungsstörungen, haben. Auch Patient:innen mit verschiedenen gastroenterologischen Erkrankungen und Tumoren leiden unter dem Vorhandensein und den Folgen einer Mangelernährung.
Ziele: Mit dieser Studie soll eine aktuelle Datenlage, die mit der vorherigen multizentrischen Studie geschaffen wurde, vertieft und weitergeführt werden.
Insbesondere gilt es, Fallzahlen im Bereich der stattgefundenen ernährungstherapeutischen Interventionen zu generieren und ebenso zu analysieren, wie sich ernährungstherapeutische Interventionen bei gastroenterologischen Tumoren auswirken. Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen der Ernährungssituation und der Komplikationsrate untersucht.

